Hermann der Cherusker ist ein Sympathieträger für den Tourismus und die Attraktionen des Kreises Höxter. Nikolaus Lallensack tritt als Germane in seiner Gaststätte „Rübezahl“ in Albaxen auf. Fotos: Michael Robrecht

Hermann der Cherusker kämpft mit Japanern

Nikolaus Lallensack seit 25 Jahren Wirt im „Rübezahl“

von Michael Robrecht

 Höxter/Albaxen (WB). Hermann der Cherusker lebt. Für jemanden, der vor 2000 Jahren in Egge und Teutoburger Wald gegen den Feldherrn Varus kämpfte, hat sich der Germanenfürst gut gehalten: Weißer Bart, Hörner-Helm, grimmiger Blick (als würde er jeden Tag einen Römer verspeisen) und überhaupt keine zitterige Schwerthand. Hermann alias Nikolaus Lallensack (60) wohnt im Wald bei Höxter-Albaxen.

   Als Wirt der Traditions-Waldgaststätte „Rübezahl“ ist er vielen Menschen im Kreis Höxter und Besuchern aus allen Teilen Deutschlands ein Begriff. In diesem Mai ist es genau 25 Jahre her, dass der „Albaxer Rübezahl“ die gleichnamige, damals in die Jahre gekommene Wirtschaft mitten im ostwestfälischen Forst in eine große Blockhütte umgestaltete und sich mit dem neuen Image und seinem Germanenprogramm ein neues Publikum erschloss. „Mein Vater begann Ende der 1950er Jahre mit einer Flaschenbierkonzession, wir betreiben heute erfolgreich Erlebnisgastronomie“, blickt der gewandete Sympathieträger Lallensack zurück.
   Der Albaxer hat nach Lehrjahren im heimischen Wald und Wanderjahren in Kanada hierzulande Pionierarbeit in Sachen Gastronomie unter Einbeziehung historischer Figuren geleistet. Als Obergermane Hermann der Cherusker verkleidet, begeisterte er seit 1996 tausende Gäste in seinem Restaurant und präsentierte die Region Höxter als „Old German“ auf Tourismusmessen. Der Rauschebartträger, den so manche Busgruppe ohne seine Germanenkluft für den legendären schlesischen Rübezahl persönlich hält, ist ein Original und „bekannt wie ein bunter Hund“.

Singt, spielt und serviert: Nikolaus Lallensack

„Sogar das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig feierte mit mehr als 100 Mitarbeitern bei uns ein großes Fest.“

Nikolaus Lallensack 

   Nikolaus Lallensack schwärmt noch heute von seiner Weltreise, die er 1969 für vier Jahre als 21-Jähriger angetreten hat und die ihn nach Afrika, auf Schiffe als Matrose und zuletzt zu den Pelztierjägern und in die Goldminen Kanadas führte. Im Gasthaus „Rübezahl“ hängt deshalb selbst erlegte Beute: Luchs, Wolf, Bär, Biber und Elch zieren die Wände. Die Affinität zum Urigen und zum Leben in Wäldern passt perfekt zu den Hermann-Auftritten mit Bogenschießen, Keulenwerfen und dem Jux rund um einen neuen römischen Kampfwagen, mit dem er – zur besonderen Freude von japanischen oder amerikanischen Gästen – die Schlacht im Teutoburger Wald im Albaxer Forst nachspielt. „Die Japaner sind besonders aus dem Häuschen, wenn ich mit Helm und Schwert vor ihnen stehe. Da klicken sofort alle Kameras“, schmunzelt Germanen-Rauhbein Nikolaus Lallensack.

Die Waldgaststätte „Rübezahl“ liegt zwischen Albaxen und Bödexen. Die Gasträume sind im kanadischen Blockhausstil gebaut und eingerichtet. August Lallensack hatte vor fast 50 Jahren sein Wochenendhaus zur Gartenwirtschaft für Sonntagsausflügler umgebaut. Sein Sohn Nikolaus übernahm die Lokalität und gestaltete sie Anfang der 80er Jahre komplett um. Am 11. Mai 1983 war Neueröffnung. Angeboten werden Kaminnachmittage für Senioren, Hüttenabende am Kaminfeuer und der kreisweit einzigartige Germanenspaß mit Bogenschießen, Keulenweitwurf und Speerwerfen. Die Wirtsleute singen selbst und sorgen für Stimmung in dieser in der Region ungewöhnlichen und urgemütlichen Gaststätte. Den Namen „Rübezahl“ gaben die Albaxer Nikolaus Lallensacks Vater, weil er so einsam am Berg wohnte. Zur Familie gehören heute neben dem Wirt seine Frau Eva (55) sowie die Söhne Jens (18) und Marius (14). Lallensack ist auch Geschäftsführer der bekannten Corvey-Weserbergland-Tours.

   Im 25. Jahr der „neuen“ Gaststätte „Rübezahl“ weiß Held Hermann, wie er sich im nicht einfachen Gastronomiegeschäft halten kann: „Wir müssen uns hier im Kreis Höxter zusammen präsentieren. So wie das seit langem bei den Corvey-Weserbergland-Tours, wo ich beteiligt bin, läuft: Ritteressen in Corvey, Tennentanz bei Cöppicus in Ottbergen oder das Germanenfest bei uns, so etwas geht immer gut“, verweist er darauf, dass auch er zu 80 Prozent von Familienfeiern und von Gruppen lebt, die sein Programm buchen.
   Die Zeiten, als ein Vater noch 150 Sonntagsgäste bei Kaffee, Kuchen und Bierflasche im Garten sitzen hatte, seien nur noch romantische Verklärung und längst vorbei. Weitaus mehr die Werbetrommel rühren müsse er auch, seit die Autofahrer auf der B64-Umgehung an Albaxen vorbeifahren und die „Rübezahl“-Schilder in Ortsnähe nicht mehr zu sehen bekämen. Bekannt geblieben sei er aber dennoch: „Sogar das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig feierte mit mehr als 100 Mitarbeitern bei uns ein Fest“, berichtete der Albaxer, der seinen Hermann/Rübezahl-Bart auch in den kommenden Jahren stolz im Weserbergland zu Markte tragen will.

Westfalen-Blatt, 16. Mai 2008