Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung
12. März 2011 ยท Nr. 11
Der Gastronom
Wikinger mit Geschäftssinn
Nikolaus Lallensack
Nikolaus Lallensack war 21, als ihm Ostwestfalen zu klein wurde. Vier Jahre verbrachte er in Kanada, zog mit dem Gewehr durch die Wälder, fing Fische, schürfte nach Gold. Was er mitbrachte, als er ins heimische Albaxen
Nikolaus Lallensack
betreibt die Gaststätte Rübezahl bei Höxter

zurückkehrte, war allerdings wertvoller als Gold – es war ein Lebendsgefühl. Lallensack hatte sich verliebt in die Natur und die Freiheit, und wollte ein Stück davon nach Deutschland holen. Die Chance kam 1983: Er übernahm vom Vater die Gaststätte Rübezahl im Wald bei Höxter.
Lallensack baute erst einmal um. Es entstand ein uriges Haus im Trapperstil – rohe Balken, rustikale Möbel, Jagd-Trophäen an den Wänden. Doch das außergewöhnliche Ambiente war ihm nicht genug. Lange bevor der Begriff in Mode kam, wurde Lallensack so etwas wie
Ostwestfalens erster Erlebnisgastronom: Er schlüpfte in Sandalen und Tunika und organisierte den „Germanen-Spaß“. Als „Hermann der Cherusker“ kocht er nicht mehr nur für seine Gäste, sondern veranstaltet mit ihnen Bogenschießen und Keulenweitwurf. Seine Zielgruppe sind seitdem nicht mehr nur Ausflügler, sondern Reisegrupppen, die aus ganz Norddeutschland kommen – mal für einen Tag, mal für zwei oder drei. Dabei arbeitet Lallensack mit Hotels im Umland zusammen. Auf regionalen Messen wirbt er für sein Konzept, rund 30.000 Fleyer lässt er jährlich drucken. Der Erfolg gibt ihm Recht. „Seit zwei, drei Jahren spüren wir einen regelrechten Boom“, sagt Lallensack. Silvesterabende seien schon Mitte des Jahres ausgebucht, in der Hauptsaison kämen manchmal drei Reisegruppen an einem Tag. Bewältigen kann der 63-Jährige den Ansturm mit bis zu zehn Aushilfen und seiner Familie. Das Konzept stehe, sei erfolgreich und werde so fortgeführt. „Solange die Gesundheit mitspielt, mache ich weiter“, sagt der 63-Jährige. Ein Trapper in Rente – das wäre auch eine eigenartige Vorstellung.

Volker Kühn